Der schwarzen Linie auf der Spur

Über die Serie 

 

Die typisch künstlerische Ausdrucksweise der Künstlerin Veronika Spleiss begann mit der Serie "Der schwarzen Linie auf der Spur". Bis heute werden Werke in dieser Serie kreiert und verändern sich stetig. Auf den ersten Blick geht es um Fragmente aus schwarzen Linien, die sich zusammensetzen und so eine Geschichte formulieren. Vor allem handelt es sich jedoch um zwischenmenschliche Beziehungen, die in einem statischen Zustand dargestellt werden. Abstrakte Figuren stehen alleine oder zusammen in einem Gemälde, sie neigen sich zueinander, wenden sich voneinander ab, oder stehen gar neutral beieinander. In allen Fällen umgibt sie eine fragmentarische Umgebung, die sie zusammenkommen lässt oder sie trennt. Die Werke sind abstrakte Momentaufnahmen einer zwischenmenschlichen Entwicklung. Es wird ein Moment statisch eingefangen - die Grundessenz eines jeden Gemäldes.


Das Dreiergespann

 

Drei Menschen stehen im Vordergrund des Werkes „Das Dreiergespann“. Ihre Beziehung zueinander ist unbekannt. Es könnte sich um ein Team handeln, das gemeinsam ein Unternehmen führt; eine Gruppe von Schulfreunden; Kinder oder um eine Familie. Es lässt auch allein aufgrund des Namens an die „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow denken. In allen Fällen hat das Dreiergespann etwas gemeinsam und steht in Beziehung zueinander. Getragen werden sie von miteinander verbundenen Balken, die an eine Waage mit Waagschalen erinnern – im Kräftegleichgewicht, sich gegenseitig unterstützend. Umgeben sind die Drei, wie in allen Werke von Veronika Spleiss, von einem unübersichtlichen Gemenge, einer chaotischen Umgebung ohne Ordnung, in der sie gemeinsam sich zurecht zu finden wissen. Doch gleichzeitig stehen die schwarzen Linien für ihre Abgrenzung – allein und doch gemeinsam.

 

2020

Acryl auf Leinwand

50x50x4 cm

 


Erziehung

 

Das kleine Acrylgemälde „Erziehung“ lässt allein durch den Titel zuallererst an die Erziehung der Kinder durch die Eltern denken. Erziehung beinhaltet aber auch insgesamt Lern- und Anpassungsprozesse durch andere Menschen. Diese finden durch Sprechen des Lehrenden auf der einen Seite, Zuhören und Verstehen des Lernenden auf der anderen Seite statt. 

 

Das Gemälde auf Leinwand in Schwarzer Umrandung zeigt diesen Prozess. Die größere Figur in der linken Bildhälfte neigt sich zu den zwei anderen Figuren. Ihre gewellte Form suggeriert eine beschützende und zugeneigte Haltung. Die zwei kleinen Figuren in der Mitte des Gemäldes strecken sich zur großen Figur hin. Aufgrund ihrer sowohl geraden als auch geneigten Form erscheinen sie aufmerksam und neugierig. Um die Figurengruppe erstrecken sich Gebäude, Hügel und Straßen. Eine Umgebung, in die sich die Menschen integrieren, in dem sie über sie lehren und lernen. 

 

Erziehung - Education, 2019

Acryl auf Leinwand, weiß gerahmt

11 4/5 × 11 4/5 × 1 1/2 in

32 × 32 × 5 cm

Privatsammlung Schweiz


Loslassen

 

Das Gemälde „Loslassen“ stellt ein Pendant zum Werk „Erziehung“ dar. So wie der Mensch jemand anderem etwas beibringt, ihn erzieht und ausbildet, hat er den anderen später wieder loszulassen. In diesem Sinne lässt der Meister seinen Schüler oder die Eltern ihre Kinder sich weiterentwickeln und erwachsen werden. Sie werden zu eigenbestimmten Menschen, die ihre Entscheidungen selbstständig treffen. 

 

Das Werk zeigt den Moment des Loslassens. In der linken Bildhälfte ist eine Figur sichtbar, die abgewandt seiner Wege geht. So steht es auch mit der rechten Bildhälfte: Mehrere Figuren zerstreuen sich vereinzelt in die entgegengesetzte Richtung. Sie sind auf der Suche nach ihrem eigenen Lebensweg.

 

2020

Acryl auf Leinwand

30x30x4 cm

Privatsammlung Deutschland


Rückkehr

 

Das Werk "Rückkehr "bezieht sich auf die früheren Arbeiten "Erziehung" und "Loslassen" aus dieser Serie. Mit jedem Menschen, den wir in unser Leben lassen, wird ein Teil von uns abgegeben. Wir prägen den Anderen und er oder sie uns. Irgendwann kommt jedoch immer der Moment des Loslassen und des Gehens. Jeder bestreitet andere Wege oder lässt gar die andere Person zurück. Diese Prozesse durchläuft jeder Mensch immer wieder im Aufeinandertreffen mit anderen Menschen. Am prägendsten ist dieser Prozess mit den eigenen Kindern. Doch steht es auch so mit anderen Beziehungen.

Das Werk "Die Rückkehr" zeigt den Moment der Heimkehr. Zwei Figuren in der linken Bildhälfte umarmen sich. Eine Figur erscheint größer als die andere. Weitere Figuren aus der rechten Bildhälfte kommen auf die sich Umarmenden zu. Dieser Moment ist vergleichbar mit der Parabel "Der verlorene Sohn", den die Familie in Freude und Dankbarkeit wieder aufnimmt.

 

2020

Acryl auf Leinwand

30x30x4 cm


Roulettetisch

 

Ausgehend von der Kuppel des Guggenheim Museums in New York ist das Acrylgemälde „Roulettetisch“ entstanden. Die ovale fließende Form setzt sich aus den für Veronika Spleiss bezeichnenden Fragmenten in weiß, gold und gelb zusammen, die in ihrer Rundung den Effekt einer sich drehenden Bewegung suggerieren. 

 

Dem Spiel des Roulette selbst als auch seiner visuellen Darstellung ist der Kontrast immanent. Visuell ist es die scharfe Abgrenzung der Farben von Schwarz und Weiß, im Roulette ist es das Spiel zwischen dem momenthaftem Gewinn und ständigen Risiko des Verlustes. Schauplatz dieses Geschehens der Freude und des Schreckens ist der Spieltisch.

 

Wie der Schriftsteller Pitigrilli in seinem Roman 'Cocaina: romanzo' schreibt: "Das Spiel ist nicht als eine Verdichtung der Existenz, das Leben ist nichts als eine Viertelstunde am Roulette [...] Das Spiel ist nicht Freude am Gewinn, sondern erhöhtes Lebensgefühl."

 

Roulette Tisch, 2019

Acryl auf Leinwand, weiß gerahmt

40x30x4 cm

 


Eine helfende Hand

 

Das Ölgemälde „Eine helfende Hand“ lebt, so wie alle Werke von Veronika Spleiss, vom Kontrast. Aus dem tiefen Schwarz treten markante weiße, rote und goldene Formen hervor. Jedes Fragment steht dabei für sich, fügt sich aber aus dem Vakuum zusammen und erschafft so einen interpretativen Sinn für den Betrachter. Getragen wird die Komposition vom umrandenden Schwarz. Das Weiß tritt je nach Stärke des Schwarz in den Vorder- oder Hintergrund und lässt den Betrachter trotz ihrer Zweidimensionalität in die schwarze Tiefe blicken. 

 

So wie schon im Titel, stellt die rote Hand in der oberen Hälfte des Werkes den Grundbaustein des Gemäldes dar. Das Rot im Zeichen der Zuneigung und der Stärke führt visuell die Hand zum Bildzentrum, dem Menschen hin. Ihre Umgebung weist weniger rot, doch umso mehr kahle weiße Fläche auf, die zu füllen und zusammenzufügen wäre. In ihrem Fürsichstehen findet sie sich jedoch nicht und verbleibt fragmentarisch.

 

Eine helfende Hand - A helping hand, 2018

Öl und Acryl auf Leinwand, schwarz gerahmt

70 × 50 × 2 cm


Blaue Umarmung

 

Die kolorierte Lithografie „Blaue Umarmung“ zeigt symbolisch zwei Menschen auf einer angehobenen Grund stehend. Ihre Umarmung ist nicht sichtbar, sondern wird nur durch die Nähe ihrer Körper angedeutet.  Sie stehen auf dem blauen Grund, der je nach Kippung einst dem einen, dann dem anderen Halt gibt. Das dunkle Blau als die Farbe des tiefen Vertrauens und der Treue charakterisiert eben diesen Boden ihrer Zweisamkeit.

 

Der bezeichnende Stil von Veronika Spleiss’ Arbeiten tritt bei der Lithografie in subtilerer Form zutage. Dies liegt unter anderem am künstlerischen Prozess. Auf einer Steinplatte wird die Zeichnung seitenverkehrt mit Fettkreide angefertigt. In mehreren weiteren Schritten wird der Stein bis zum tatsächlichen Steindruck vorbehandelt. Aus der Abstoßreaktion von Wasser und Fett ergibt sich dann letztendlich der Druck. Das Ergebnis stellt eine grobkörnige, für die Lithographie charakteristische, Textur dar. 

 

Blaue Umarmung - Blue embrace, 2019

Lithografie und Gouache, schwarz gerahmt

40 × 30 × 3.2 cm

Privatsammlung Deutschland


Rote Umarmung

 

Das Pendant zur blauen Umarmung stellt die kolorierte Lithografie „Rote Umarmung“ dar. Der Flachdruck zeigt auch hier zwei Menschen, die sich zusammen auf einem angehobenen Grund befinden. Ihre Umarmung ist nicht sichtbar, sondern wird nur durch die Nähe ihrer Körper angedeutet. Der rote Grund symbolisiert die Basis ihrer Beziehung. Rote steht für die Liebe, Stärke als auch Sexualität. 

 

Der bezeichnende Stil von Veronika Spleiss’ Arbeiten tritt bei der Lithografie in subtilerer Form zutage. Dies liegt unter anderem am künstlerischen Prozess. Auf einer Steinplatte wird die Zeichnung seitenverkehrt mit Fettkreide angefertigt. In mehreren weiteren Schritten wird der Stein bis zum tatsächlichen Steindruck vorbehandelt. Aus der Abstoßreaktion von Wasser und Fett ergibt sich dann letztendlich der Druck. Das Ergebnis stellt eine grobkörnige, für die Lithographie charakteristische, Textur dar. 

 

Rote Umarmung - Red embrace, 2019

Lithografie und Gouache

15 7/10 × 11 4/5 × 1 3/10 in

40 × 30 × 3.2 cm

Privatsammlung Deutschland


Erde, Wasser, Feuer, Wind

 

Die kleinen Ölgemälde „Erde“, „Wasser“, „Feuer“ und „Luft“ bezeichnen die vier Grundelemente der Welt, die laut Platon und Aristoteles im Sinne eines Kreislaufs von Körpern stattfinden.  Veronika Spleiss’ Körper sind jedoch keine Dreiecke, sondern figurative Formen, die sich je nach Element bewegen oder gar stehen. Grundsatz ist: Sie verändern sich stetig.

 

Metaphorisch übertragen verstehen sie sich für die Künstlerin wie folgt: Die grüne Erde als Stillstand und Ruhe, das blaue Wasser als Fluss und Veränderung, das gelbe Feuer als Energie und Kraft, die weiße Luft als Schwebezustand und Leichtigkeit.

 

2018

Öl auf Baumwolle, weiß gerahmt

8 7/10 × 8 7/10 × 1 3/10 in

22 × 22 × 3.2 cm

Privatsammlung Schweiz

 


Erde

 

Das Gemälde „Erde“, gemalt in Acryl, zeigt die Zersplitterung und gleichzeitig Zusammenfügung, unserer Welt. Im Zentrum des Werkes steht eine Gruppe von Menschen nah aneinander. Jeder steht für sich als Individuum mit seinen eigenen Gedanken und Lebensweisen. Der Betrachter sieht jedoch als Außenstehender Menschen, die als Gruppe zusammengehören. Der Blick von außen auf die Erde macht sie zu einem Ganzen. Sie gehören zusammen und sind sich in vieler Weise untereinander ähnlich. Durch die schwarzen Striche erscheinen sie aber voneinander abgegrenzt. Je weiter sich der Blick des Betrachters vom Zentrum entzieht, desto größer wird die Abgrenzung zum Bildrand. Die Elemente verkleinern sich und verschwinden im Schwarz, als ob sie sich in der Weite der Erde verlieren würden. Dieser starke Kontrast von Zersplitterung und Vernetzung wird durch die Verwendung von Schwarz und Weiß hergestellt. Die Farben Grün und Ocker stehen dabei für die Natur, die Wälder und den Menschen als Teil der Natur. Alles ist verbunden und doch sind die Elemente für sich.

 

Erde - Earth, 2019

Acryl auf Leinwand, schwarz gerahmt

60x60x2 cm

Privatsammlung Österreich


Gepflasterte Steine

 

„Gepflasterte Steine“ hat die Schaffung einer Basis, eines Grundsteins zum Thema. Praktisch betrachtet, reicht es schon aus, unsere Städte voller Wege und Straßen zu betrachten. Um zu unseren Zielen zu gelangen, bedarf es dieser asphaltierten Straßen, unterteilt in Autostraßen, Fahrradstraßen und Fußgängerwegen. Wie der prominente Fuß im Werk zeigt, ist das Gehen unsere erste Fortbewegungsart gewesen, die wir mit Hilfsmitteln immer mehr beschleunigen. Würden wir über diese Wege nicht verfügen, wäre das Gelangen zu unseren geografischen Zielen ein Ding der Unmöglichkeit oder immerhin mühsam. Betrachten wir dieses Vorankommen von A nach B auf der Metaebene, so steht es auch mit unseren Ideen, Zielen und Ambitionen. Bevor der Mensch agieren und voranschreiten kann, benötigt er immer die Ebnung eines Weges. Es kann sich unter anderem um eine vertiefte Reflektion über eine neue Unternehmensidee handeln, die wir in die Tat umsetzen wollen. Oder es handelt von unseren Werten und Sichtweisen zur Karriere oder Familie, die in unserem Alltag leben. Bevor diese Grundsteine nicht gelegt sind, ist auch kein Weitergehen möglich.

 

Gepflasterte Steine - Paved stones, 2018

Acryl auf Leinwand, schwarz gerahmt

42 × 82 × 3.2 cm

 


Fenster

 

Das Kunstwerk „Das Fenster“ erstrahlt in satten Farben, die eine starke Lebendigkeit suggerieren. Mit keiner anderen Farbe als Rot, ist der Kontrast im Zusammenspiel mit Schwarz, Weiß und Gold so stark hervorgehoben. Die abstrakten Fragmente erscheinen in ihren eckigen und nur minimal rundlichen Formen noch klarer vor dem Betrachter als sie es in den anderen Werken von Veronika Spleiss tun.

 

Inmitten dieser vielen Fragmente erblickt der Beobachter des Bildes vier Fenster in einem zum Beobachter scheinbar abgeschlossenen Raum. Die Winkel des Raumes werden durch zwei vertikale Linien, die das Bild vollständig durchziehen, angezeigt. Das Innenleben der Fenster bleibt paradoxerweise in Weiß verdeckt, was normalerweise in der Realität eher schwarz oder dunkel sein würde, wenn wir in einMail Müther Fenster blicken. Nur ein roter Vorhang bedeckt das erste Fenster im Zentrum. Es bleibt dem Betrachter und seiner Vorstellungskraft überlassen, das alltägliche Treiben hinter diesen Fenstern zu erspähen. Denn es ist auch nicht geklärt, blickt der Betrachter in das Leben der anderen oder blicken die anderen auf ihn?

 

Fenster, 2018/2022

Acryl auf Leinwand, schwarz gerahmt

12 3/5 × 16 1/2 × 1 3/10 in

32 × 42 × 3.2 cm

 


Interview in German

Available with English Subtitles

Artworks

by Veronika Spleiss


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Tension of life between order and chaos

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Vergru-art by Veronika Spleiss

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