Künstlerischer Prozess

Hier in meinem Atelier kreiere ich grafische Gemälde in Acryl, Öl, Lackmarkern, Gouache und Tusche - hauptsächlich auf Leinwänden mit breiten Keilrahmen. Mein erster Schritt zu einem Kunstwerk besteht im Betrachten der weißen Leinwand oder des Leinenstoffes. Bei manchen Werken kam mir schon in der Nacht oder zu einem anderen Zeitpunkt des Alltags eine Idee bezüglich des Themas und seiner Konzeption, wenn ich mir nur die weiße Leinwand in einer bestimmten Größe vorgestellt habe. Die in diesem Moment imaginäre schwarze Umrandung des Rahmens lässt Formen und Thema in einer Leichtigkeit hervorbringen. Dann kann ich es kaum erwarten mit dem Malen zu beginnen.

Bei anderen Werken wurde und ist es ein langwieriger Prozess bis zur Themenfindung und seiner Ausführung. Dann reicht nicht mehr nur die weiße Leinwand und der mit ihm kommende Geistesblitz - das Werk wird dann wortwörtlich "erarbeitet". Denn in gewisser Weise geht es um Synthesen: Kombinationen, die unbewusst als Fragmente der Realität entnommen werden. Diese sind dem Künstler oder der Künstlerin nicht immer sofort zugänglich, sondern erfordern eine vertiefte Kontemplation.

 

Das ist der Zwiespalt an Kunst. Es ist ein ausführendes Mittel der Freiheit und in seinen unbegrenzten Möglichkeiten umso schwieriger im Verlauf festzulegen. Natürlich gibt es diese Werke, die in einer Art "Einfach Loslegen" entstehen, wie ich sie in der Leichtigkeit beschrieben habe. Doch der Prozess des Innehaltens, der Unterbrechung und des Reflektion ist für die Themensuche,-findung- und -ausführung in allen Fällen essenziell. Letzteres begleitet mich durchgehend im Verlauf des Malens. Nur ungern ändere ich den schon gemalten Strich auf der Leinwand, zumal der Kontrast von Weiß und Schwarz Änderungen schwer macht. Umso mehr bedarf es dieses Durchdenkens des Kunstwerkes.

 

Folglich ist die Erschaffung eines Kunstwerkes nicht immer einfach, doch ist sie es in beiden Fällen wert - im Erschaffen und Betrachten.